Auf dem Weg zu einem Festival für alle


(Felix, Susan, Jacob, Eddi und Ipote beim Tanzen mit den Schülern von Malota.)

„Eigentlich habe ich mir das alles anders vorgestellt“, denke ich hier jeden Tag bestimmt 4747280568 Mal und in 4747280560 der Fälle finde ich das Neue und Unerwartete viel schöner – so auch den Weg zum Smile Festival:

War es ursprünglich für mich als kleiner runder Abschluss der Theatre Experience School von The Smile Project gedacht, ist es nun… ja was? Die Stadt macht sich das Ganze auf jeden Fall zu eigen und hat sich die Sache geschnappt. Das rührt, haut vom Hocker, schließt neue Kooperationen, Freundschaften und bringt Menschen an den Tisch, die sich bisher nicht kannten, aber sofort gemocht hätten, wenn sie wüssten, dass es sie geben würde.

„Kryss, tomorrow we have to go to the schools and perform“, sagt mein sambischer Kollege Jacob. „Ehm.. wie jetzt? Ohne Anmeldung, einfach in die Schule? Wie sollen wir so schnell noch dem Schulleiter Bescheid sagen? Was genau wollen wir performen…“ und so weiter. Ich denke mal wieder zu viel und lerne: Einfach machen und mutig sein!

(„19th of August at Mukuni Park!“ werben Ipote und Eddi. Mehr als 120 Schüler der Schulen gestalten mit uns den Marching Pass, die Festival Parade, vom Civic Center zum Mukuni Park.)

Gesagt getan: Am Freitag, einem workshopfreien Tag, fuhr das The Smile Project Team mit den großartigen Künstlern von Barefeet Theatre durch die Stadt und tanz und sang auf verschiedensten Schulhöfen. Als wir an einer Schule sogar die Examensprüfungen von 200 Schülern unterbrechen durften, fiel ich völlig vom Glauben hab. Die Lehrer tun und können hier was möglich ist, das ist wirklich toll. Und die Vorfreude wächst.


(Ja, das da vorne sind wir und der Schulleiter und es ist einfach verrückt.)

Neben ganz viel Energie und Euphorie hielt der Tag aber auch mit ruhiger stimmenden Themen nicht zurück. Vor wenigen Tagen sind Jacob und ich, als wir euphorisch unser erstes Poster in der Hand hielten, quasi gegen Lisa Zahar gelaufen und so in ein Gespräch gepurzelt. Lisa ist Britin und arbeitet für DEAAF Deaf Education and Arts for African Families. Freiwillig schmeißt sie all ihre Kräfte in die Bildung von taubstummen Kindern und Eltern. Hier in Livingstone gibt es über 200 ihnen. Lisa gehört zu Einzelkämpfern, da die inklusive Schulbildung hier noch nicht dementsprechend aufgerüstet ist. Sie lädt uns einen Tag später zu einem Treffen ein und über einen langen Zeitraum vergessen sie und unser Team die Zeit und hören nicht mehr auf uns zu unterhalten. Schnell ist klar, wir müssen Lisa ins Boot holen. Wir sind mehr als glücklich, dass sie sich bereit erklärt hat, das Festival, die Reden und Dialoge in Zeichensprache zu übersetzen und mit ihrer Community kommt. Schnell tauschen alle ihre Nummern aus und hoffen auf eine weitere Zusammenarbeit in der Zukunft mit den Künstlern von Barefeet Theatre auch in Lusaka, der Hauptstadt Sambias. Heute ist der erste kleine Schritt erst einmal in Livingstone getan.

(Lisa bringt uns erste Worte der Zeichensprache bei. Dieses hier heißt Liebe.)

Am Ende des Tages fallen wir übermüdet aber glücklich den Malern vom Farmers Market um den Hals und halten den ersten Smile Festival Banner in der Hand. Die Zeit rennt. Dieses Mal sogar für meine afrikanischen Kollegen mit einem anderen Zeitempfinden. Wir haben uns intern darauf geeinigt, dass es in Ordnung ist, dass wir gegenseitig über unser Zeitgefühl, das unterschiedlicher nicht sein könnte, Witze machen ;).

(Die Maler vom Farmers Market haben sich reingehangen. Danke Jungs.)

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