Eine Parade der guten Laune, Stress mit der Polizei und Recyclingkunst

Wollte der Vernunftsteil in mir drin spontan alles verneinen, da die To Do Liste, um die Theaterworkshops, das Stück der Kinder und die Festivalorganisation zu lang war, schreite mein Herz sofort Hurra. Wann? Als Jacob sagte:

„Krys, let’s do a Matching Pass!“ „A what?“ “A parade just for the children before the Smile Festival starts!”

Er erklärte mir, dass die sog. Matching Passes hier üblich wären und ein wichtiges Zeichen einer gelingenden Veranstaltung eines solchen Rahmens sind. Wieder etwas gelernt! (Ist es mir vor Ort nicht erlaubt über die politische Situation zu sprechen, schiebe ich hier gerne die kurze Randnotiz ein, dass momentan die sog. Matching Passes auch von Kirchen und NGOs genutzt werden, um auf die politische Situation Sambias aufmerksam zu machen). Unsere Parade sollte davon ausgenommen, aber genauso bunt und laut werden, meinte Jacob. Doch wer konnte uns helfen?

Bei einem Spaziergang durch Maramba in unserer ersten Woche in Livingstone lernten Jonas und ich den Peter kennen. Durch Zufall sind wir in seinem kleinen aber feinen Atelier vor seinem Haus gelandet. Peter ist Maler und ernährt seine 4 Kinder seit 17 Jahren von seiner Kunst. Er zeigt uns seine Gemälde und hat zu jedem eine Geschichte zu erzählen. Am liebsten malt er über die Spaziergänge mit seiner verstorbenen Oma durchs Maisfeld in seiner Kindheit. Vor dem Haus hängen „the good ones“, sagt er.  Hinter seiner Stube entdecken wir viele alte zerrissene und verbleichte Bilder. „They are more than 15 years old and got destroyed by the sun, but I can’t pull them away!“ Das verstehen wir natürlich und versinken in einem anregenden Gespräch. Am liebsten malt Peter Bob Marley. Das erklärt schnell seine Frisur und Kopfbedeckung. Peter erklärt, dass er gelegentlich Kinder von der Straße einlädt, um bei ihm zu malen.

„When the children paint and are creative, they have something good to do. It’s not difficult to draft a painting or to do a mosaic. They can learn it quickly.“

Am nächsten Tag unterbreite ich Jacob den Vorschlag, unseren liebgewonnen Überzeugungstäter Peter als Künstler für die Workshop Session einzuladen, da es, dachte ich mir, nur gut sein kann auch lokale Künstler einzubeziehen, die ggf. auch zukünftig Projekte mit stemmen können. Er stimmt zu und schwupps, eine Woche später, werden Peter und Clement (ein weiteres Barefeet Theatre Urgestein) unsere Macher und Gestalter der Kostüme und Masken der Smile Parade, des Matching Passes, sein. Wo? In der Holy Cross Schule. Eine engagierte Lehrerin ermöglichte binnen kurzer Zeit weiteren 40 Kindern, neben der laufenden Theatre Experience School mit den Smile Project Kindern ein Nebenprojekt zu eröffnen und bot eine ehrenamtliche Betreuung in der Zeit unserer Abwesenheit an.

Um den Festivalpark auch für die Besucher bunt zu gestalten, übernimmt Peter mit einer Truppe das Gestalten von Leinwänden, die er selber aus Holz zusammengebaut hat. Die Jugendlichen verzieren diese mit Dingen, die sie mit Glück verbinden: Neben Gemälden von lustigen Fratzen und Mosaiken von traditionellen Krügen und Naturszenen entstehen auch bunte Kunstwerke mit Aufschriften ihrer Vorbilder, Lieblingssänger und Stars. Clement wird unser Mann für Recycling-Kunst: Aus alten Pappkartons, die wir für ein kleines Entgelt beim Supermarkt der Stadt erhalten und weiteren „Wundermaterialien“, zeigt er den Jugendlichen, wie man mit gebrauchtem alten Material die verrücktesten und schönsten Hüte, Westen, Masken und Schilder basteln kann. Die Ausgelassenheit beim Gestalten steigt, nach der ordentlichen Portion Nshima geht’s in die zweite Runde: Wir brauchen eine überdimensionale Kuh. Warum? Siehe Artikel zuvor.

Während mittlerweile 55 (ja, wir haben uns vergrößert :D) Kinder und junge Erwachsene täglich in Highlands an den Tänzen, Liedern und dem Theaterstück für das Festival probten und weitere 40 Kinder in Holy Cross eine Glitzerschlacht entfalteten nutze das The Smile Project Team die Zeit vor und nach den täglichen Workshops (09.00-18.00 Uhr), um weitere bereits etablierte Künstlergruppen in Livingstone zu besuchen und zum Festival einzuladen. Das Interesse war groß und es war einfach wunderschön am Tag des Festivals geprallte kreative Livingstone-Power auf einem Haufen zu sehen.

Los geht’s: Am 19.8.2017 war es also so weit. Der Vertreter des Bürgermeisters eröffnete die Smile Parade, gefolgt von seinem Sicherheitsbeamten und mehr als hundert Kindern der Projektschulen. Während die Salvation Army, eine Art Trommelcorps mit ein paar abgespacteren Rhythmen,  als wir sie aus der Schützenfestkultur der Jülicher Börde kennen, loslegte, marschierten die Kinder mit ihren Hüten und Masken vom Civic Center zum Mukuni Park. Immer mehr Leute sammelten sich am Straßenrand und folgten uns tatsächlich in den Park.

Ganz so leicht, wie es sich beim Lesen eventuell anhört, war die Vorbereitung für diesen kleinen feinen Marsch was vor allem die innerstädtische Organisation angeht nicht. 3 von 5 Besuche bei der Polizei, um um Sicherheit und Straßensperrung zu beten, endeten immer damit, dass wir anscheinend eine wichtige Kopie nicht mit gehabt hätten oder einen wichtigen Satz in unserem Anschreiben gefehlt habe. Das andauernde Wegschicken von uns bei der Polizei führte dazu, dass wir irgendwann die „wir-müssen-alles-7-Tage-vorher-anmelden-Regel“ nicht mehr einhalten konnten. Wir mussten ein zweites Mal zahlen, damit man uns den offiziellen Stempel der Erlaubnis gibt und noch alles rechtzeitig in die Wege leitet. Trotz allem erschien die Polizei nicht pünktlich und unser Team übernahm die anfängliche Straßenabsicherung kurzerhand selbst. Einatmen. Ausatmen. Das Smile Festival konnte nun losgehen. Aber dazu gibt es einen eigenen Artikel :).

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